Geschichte

Über Höhen und Tiefen hinweg hat der Männergesangverein 1865 Höringhausen im Verlaufe seiner Entwicklung im kulturellen und geselligen Leben des Dorfes eine besondere Aufgabe erfüllt. In seiner fast 140-jährigen Geschichte kommt seine volkstümliche Verwurzelung in der Gemeinschaft des Dorfes Höringhausen besonders zum Ausdruck. Als ältester Verein hat er sich über diesen langen Zeitraum hinweg bis in die heutige Zeit behaupten können.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren, vor allem in zahlreichen Städten, sogenannte "Liedertafeln" gegründet worden, die sich dann schon 1861 zu einem "Deutschen Sängerbund" zusammenschlossen und damit eine weite Verbreitung fanden.
Vier Jahre später, im Frühjahr 1865, entstand der hiesige Gesangverein. In den ersten Jahren seines Bestehens nannte er sich auch "Liedertafel Höringhausen". Eine Schar sangesfreudiger Männer Dorfes , unter Leitung des damaligen Lehrers Spatz, schlossen sich zu einem "Singeverein" - so wurde er hier bei uns genannt - zusammen. Lehrer Spatz wurde aber bereits ein Jahr später versetzt und musste das Dorf und seinen aus kleinsten Anfängen aufgebauten Verein verlassen.
Aus den ersten Jahren des Vereins ist Schriftliches nicht überliefert. Erst nach 1871 finden sich Aufzeichnungen über seine Tätigkeit. So waren die Bemühungen um einen Zusammenschluss der seinerzeit bestehenden Waldecker Vereine zum Eder - Diemel - Sängerbund im Jahre 1872 erfolgreich abgeschlossen worden. Der hiesige Verein war ebenfalls beigetreten und beteiligte sich im gleichen Jahre erstmalig an dem Bundesfest in Wildungen. In Korbach fand im im Jahre 1877 das zweite Bundesfest statt. Auch hier war der Chor aktiv beteiligt. Trotz aller Bemühungen der örtlichen Lehrer als Chorleiter blieb der Verein in den Anfangsjahren von Rückschlägen nicht verschont. Schon um das 1882 war es zu Auseinandersetzungen und Uneinigkeit wegen des Dirigenten gekommen, so dass die "Liedertafel" mehrere Jahre in einen "Dornröschenschlaf" fiel.
Dann aber fand sich im Jahre 1886 Lehrer Liebermann bereit, den Dirigentenstab zu übernehmen. Er brachte dem Verein ein neue Blütezeit. Acht Jahre, bis zu seiner Versetzung, war er vorbildlich in Dorf und Verein tätig. Nach ihm übernahm Lehrer Blum das Amt des Dirigenten und führte es erfolgreich im Geiste seines Vorgängers weiter.
Sehr oft aber wurden die örtlichen Lehrer, die als Chorleiter tätig waren, nach kurzer Zeit wieder versetzt, so dass der öftere Wechsel zu Rückschlägen führte. So musste mehrere Monate hindurch ein ortsfremder Lehrer aus Ober-Waroldern, Lehrer Ködding, das Amt übernehmen. Als auch er nach kurzer Zeit wieder versetzt wurde, holte man sich aus Arolsen einen Militärmusiker, Uffz. Funke, der mit Erfolg den Dirigentenstab über einen Winter hinweg führte. Auf die Dauer aber waren die höheren Kosten für einen auswärtigen Dirigenten nicht tragbar. Lehrer Ulrich, der Vorsitzende des Vereins, erklärte sich dann bereit, das Dirigentenamt, das er bereits schon von 1901 - 1909 versehen hatte, nochmals zu übernehmen. Er war dann gleichzeitig, mit nur geringen Unterbrechungen, Vorsitzender und Chorleiter bis zum Jahre 1923.
Der Verein zählte  im Jahre 1911 38 aktive, 6 passive und 4 Ehrenmitglieder. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man aus Mitgliederbeiträgen ein Sparguthaben von 125 Mark, 5 Pfennigen geschaffen und so wurde dann anlässlich der Jahreshauptversammlung 1911, auf Vorschlag des Vorsitzenden, Lehrer Ulrich, eine Sterbekasse gegründet. Aus dieser Kasse wurden im Sterbefalle eines Mitgliedes 10 Mark an die Angehörigen ausbezahlt. Dieser Betrag mag heute gering erscheinen, war aber zu damaliger Zeit beachtlich und für die Angehörigen ein willkommene Hilfe des Verein.
In den Jahren nach der Jahrhundertwende bis hin zum ersten Weltkrieg waren die "Tanzkränzchen" des Gesangvereins - sie fanden in jedem Winter einmal statt - besonders beliebt. Hierzu spielte die dörfliche Zweimann - Kapelle (Gebrüder Knaf) zum Tanz auf. 
Der erste Weltkrieg brachte dann die Vereinsarbeit zum Erliegen. Aber schon im Jahre 1919 versammelten sich die zurückgekehrten Sangesbrüder wieder zur ersten Übungsstunde mit Lehrer Ulrich. Nach der Pensionierung des Hauptlehrers Ulrich im Jahre 1923 übernahm Lehrer Ihm das Amt des Chorleiters. Jetzt begann eine neue zielstrebige Aufwärtsentwicklung. Für Chor und Chorleiter wurde das eine Zeit unermüdlicher, aber sehr erfolgreicher Arbeit .Im Winter 1924 wurde der "Waldecksche Sängerbund" ins Leben gerufen, der aus mehreren Bezirksgruppen bestand. Der hiesige Gesangverein kam zum Bezirk "Langer Wald". Der damalige Vereinsvorsitzende Friedrich Müller wurde Vorsitzender dieses Bezirkes und Lehrer Ihm Mitglied des Musikausschusses im Waldeckschen Sängerbund.

Eine allgemeine starke Regsamkeit der Vereine setzt nunmehr ein, die noch durch die sogenannten Wertungssingen gefördert wurde. Beim ersten Bezirkswertungssingen am 24.5.1925 in Landau, später am 29.5.1927 in Sachsenhausen, ging der hiesige Verein als 1. Sieger aus diesem Sängerwettstreit hervor. Das war ein großer Erfolg für Chor und Chorleiter und spornte noch mehr zur sängerischen Arbeit an.

Weil man das 50-jährige Bestehen des Vereins wegen des Krieges nicht feiern konnte, wurde der 60. Geburtstag Anlass einer kleineren Feierstunde im Rahmen des Vereins. Ein Kaffeekränzchen im Saal Frese vereinte die große Sängerfamilie, die sich inzwischen durch die Neugründung eines "Gemischten Chores" noch vergrößert hatte. Der neugegründete "Gemischte Chor", aus Männern und Frauen bestehend, mit dem Chorleiter Ihm, und natürlich auch mit zahlreichen Sängern des Vereins, hatte schon bei seinem ersten Auftreten beim Wertungssingen in Sachsenhausen einen großen Erfolg für sich verbucht und stand ebenfalls an erster Stelle im Bezirk.

Das Bundesfest des Waldeckschen Sängerbundes am 12.Juni 1927 in Korbach wurde für den Chor des Männergesangvereins und den Gemischten Chor zu einem großen Erfolg. Der Gemischte Chor hatte hier vormittags bei einem Kirchenkonzert mitgewirkt und hatte mit dem Chor "Vespergesang" sehr gute Kritik gefunden, die ihren Niederschlag auch darin fand, dass  man den Chorleiter Lehrer Ihm, zum 1. Vorsitzenden des Musikausschusses im Waldeckschen Sängerbund berief. Anlässlich des 65jährigen Bestehens feierte man am 21.und 22. Juli 1929 hier im Dorf ein großes Sängerfest. Bei schönstem Sommerwetter waren 21 auswärtige Vereine daran beteiligt.

Diese Jahre zählten zu den erfolgreichsten des Vereins und man könnte sie als die "Goldenen Zwanziger" bezeichnen. Nicht nur im Dorf selbst traten die Sänger schon damals bei vielen Gelegenheiten und familiären Anlässen in Erscheinung, sondern sie beteiligten sich ebenso in Nachbarvereinen, an festlichen Veranstaltungen anderer Vereine und kirchlichen Feiern.

Das Jahr 1930 wurde für viele Waldecksche Sänger zu einem besonderen Höhepunkt und einem nachhaltigen Erlebnis. In Kassel fand das große Mitteldeutsche Bundes-Sängerfest statt, an dem sich 38 Höringhäuser Sänger beteiligten. "Alle haben begeistert im großen Massenchor der 10.000 , unter der einzig dastehenden Leitung von Dr. Laugs , mitgesungen und vielen gefiel es so gut, dass sie noch bis zum Montag blieben, um an den Darbietungen des Waldeckschen Sängerbundes teilzunehmen" heißt es in einem Bericht von diesem Fest.

In den nun folgenden Jahren wurde die Vereinsarbeit durch Inanspruchnahme der Sänger in politischen Organisationen sehr stark eingeengt, dazu kam noch, dass das Dorf durch Uneinigkeit in zwei Gruppen gespalten war, wodurch die Vereinsarbeit stark beeinträchtigt wurde. Und doch ging das Vereinsleben auch in dieser Zeit weiter. Der Verein beteiligte sich am Singen des Mitteldeutschen Sängerbundes auf Schloss  Waldeck mit drei Massenchören des Waldeckschen Sängerbundes und ebenso am deutschen Liedertag 1932. Mit einem Weihnachtskonzert wurde das Jahr 1932 beschlossen. Auch in den nun folgenden Jahren wurde eifriger denn je bei vielen Gelegenheiten und Feiern gesungen. Das Bundessängerfest in Arolsen eifrig vorbereitet. Dazu gehörte auch eine Massenchorprobe in Elleringhausen, wohin man zu Fuß ging. Im Jahre 1936 verließ Lehrer Ihm Höringhausen, um eine Lehrerstelle in Kassel-Sandershausen anzutreten. Damit wurde die erfolgreiche Arbeit jäh unterbrochen, und lebte erst nach dem zweiten Weltkriege wieder auf. Der "Gemischte Chor" hatte bereits 1932 seine sängerische Tätigkeit eingestellt.  

Nach dem totalen Zusammenbruch schien auch das Schicksal des Männergesangvereins entschieden. Trümmer, Auflösung und Verfall aller kulturellen Werte kennzeichneten die ersten Jahre nach dem Chaos des verlorenen Krieges. Und doch fanden sich wieder im Jahre 1947 die Sänger zusammen und bauten den Verein neu auf. Zwar bereitete in den ersten Jahren des Neubeginns die Chorleiterbesetzung Schwierigkeiten, wegen des häufigen Wechsels .

Anlässlich des 85-jährigen Bestehens wurde vom 10.-12.Juli 1950 ein Sängerfest durchgeführt, welches einen glänzenden Verlauf nahm. Das war ein verheißungsvoller Anfang. Die Mitgliederzahlen stiegen, und eine große Zahl junger Sänger kam zum Verein. Die nun folgenden Jahre waren ausgefüllt durch eine rege sängerische Tätigkeit. Der Verein beteiligte sich nicht nur bei den Sängerfesten der Umgebung, sondern trat auch innerhalb des Dorfes bei zahlreichen Gelegenheiten in Erscheinung. Konzerte, Feiern und Feste der Dorfgemeinschaft wurden mitgestaltet. Aber auch Sorgen überschatteten das Vereinsleben, die unsere Wirtschaftswunderzeit mit sich brachte. Nachwuchssorgen und Interesselosigkeit, Fernsehen usw. erschweren die Vereinsarbeit. Das 90-jährige Stiftungsfest, verbunden mit dem Bezirkssängerfestes "Langer Wald" im Jahre 1955 wurde aber wieder zu einem Erfolg. Die nächsten zehn Jahre dienten der Vorbereitung des 100-jährigen Geburtstages des Vereins, der dann im Jahre 1965 mit mehreren Veranstaltungen würdig begangen wurde.

Dem Verein fiel die hohe Ehre zu, für alle 100-jährigen Vereine der Bundesrepublik symbolisch die Plakette entgegenzunehmen. Am 10. März fand dann im Gemeindesaal der Festakt statt, zu dem zahlreiche Ehrengäste aus Sängerkreisen, Politik und Behörden sowie der örtlichen Vereine Glückwünsche überbrachten. Vom 26.-28. Juni fand das Bezirkssängerfest hier statt, das unter dem Motto: "Kling auf mein Lied" stand und einen glanzvollen Verlauf nahm. Der zweite Vorsitzende des Waldeckschen Sängerbundes Heinrich Pfeifferling überreichte dabei die Silberplakette des hessischen Ministerpräsidenten. 

Hrsg.: Waldeckischer Geschichtsverein, Arolsen.1975; Bearbeiter: Friedrich Sauer: Waldecksche Ortssippenbücher, Band 15, Höringhausen